Tasmanischer Teufel

An sich wollten wir endlich wieder mit dem Trailen beginnen, mussten das Training aber größtenteils krankheitsbedingt ausfallen lassen. Also habe ich mich einfach mit Regina und ihren Mädels zu einem gemeinsamen Spaziergang in der Wahner Heide getroffen.

Sofia freute sich wie bolle über Miss Sophie und Pina…. und rackerte sich ordentlich ab, um sie zum Spielen zu animieren. Das klappte aber einfach nicht richtig, weil die beiden Jagdhündinnen (Bloodhound und Spinone) mehr an Wildspuren interessiert waren.  

Nach ca. 45 Minuten ist dem Bloodie dann auch endlich mal aufgefallen, dass ich mitlief, und freute sich ein Loch in den Bauch. Sophie propellerte, drückte sich an mich, ließ sich an meinen Beinen runterrutschen, schmiss sich auf den Boden und strampelte gut gelaunt mit allen Vieren.

Prompt kam Matilda angesprungen, die das an sich ganz lustig fand…bis sie eine Riesenpfote abbekam. Und schon ging es rund!

Mati raunzte Sophie an, die sich diese (ungerechtfertigte) Maßregelung nicht gefallen ließ und schon war die schönste Rauferei im Gange. 12 kg Gremlin gegen 50 kg Bloodhound. *kopfschüttel*

Glücklicherweise ist die Große ein eher sanftmütiger Charakter und versuchte nicht ernsthaft, Matilda zu packen und zu verletzen. Sie wollte sie nur zu Boden drücken, was bei der kleineren und eh „kaputten“ Hündin trotzdem hätte übel ausgehen können, wenn die nicht – einem tasmanischen Teufel gleich – in einer irrer Geschwindigkeit knurrend vor und zurück gerast wäre.
Wir hatten echt Schwierigkeiten, die beiden zu trennen! 

Einmal bekam ich Sophie zu packen, musste sie aber wieder laufen lassen, weil Matilda sie sonst erwischt und getackert hätte! Irgendwann habe ich dann doch das kleine Teilchen erwischt, hochgehoben und unter den Arm geklemmt, wo sie noch kurz wütend strampelte, um sich dann endlich zu beruhigen. Ts.

Minuten später war dann alles wieder paletti: Sophie näherte sich langsam an und beschnufelte ganz sanft Matildas Ohr, als ob sie fragen wollte, ob alles wieder gut sein. Matilda aber reckte nur demonstrativ die Nase in die Luft und schaute in die andere Richtung. 

Das erste Mal in der Hundeschule

Auf dem Weg zur Hundeschule Fremdhundbegegnung mit einem Parson Jack Russel, der wohlerzogen neben seinem Frauchen hertrippelte und Pee-Wee nicht mal ansah…. der sich aber fixierend auf den Boden schmiss und am liebsten zu dem Kleinen hingesprungen wäre, als der an uns vorbeilief, um dann in den höchsten Tönen zu fiepen, weil er nicht hindurfte. Na super, das fing ja gut an. 

Auf dem Gelände angekommen dann die große Überraschung: mit MEHREN Hunden konfrontiert stellt der Dicke sich nicht so an! Hier war er zwar aufgeregt und hätte gerne wedelnd Kontakt aufgenommen, ließ sich aber problemlos korrigieren, setzte sich brav vor mich, ließ sich durchknuddeln und freute sich.

Die direkte Kontaktaufnahme mit zwei kleineren Hündinnen klappte aber weniger gut: von seiner „Masse“ verschreckt, setzte es direkt Ohrfeigen, die Pee-Wee aber brav einsackte.

Also versuchten wir es mal bei einer größeren Hündin: Jill, die alte Schäferhündin der Trainerin, wartet während des Übungsbetriebs immer brav in einem eigens abgezäunten Bereich und guckte recht interessiert, als ich mich mit ihm näherte. Sie ließ sogar ihren geliebten roten Gummiknochen fallen, stand auf und so beschnufelten sich die beiden sehr nett und entspannt durch den Maschendrahtzaun hindurch. Wedel, wedel, hops. Sehr niedlich! 

Das lockere Gruppentraining lief ganz ordentlich: obwohl Pee-Wee weder seinen Namen, geschweige denn irgendwelche Kommandos kennt, ließ er sich super anleiten und machte brav mit. Bis dann leider ein junger Podenco-Rüde in Spiellaune loswetzte und sich nicht mehr einfangen ließ: dieser heftige Bewegungsreiz und vor allem der Umstand, dass der Jungspund mehrmals direkt auf uns zubretterte (Dank an Karin, die sich vor uns stellte und uns abschirmte), waren zu viel des Guten. Glücklicherweise bin ich kräftig genug, um unser „Bröckchen“ zu halten, spaßig ist es aber nicht, wenn ein knapp 40 kg schwerer Hund in die Leine knallt. Da half dann nur der Griff ins Geschirr.

Nachdem der Podenco von einer anderen Hundehalterin durch den beherzten Tritt auf die schleifende Leine gestoppt werden konnte, haben wir die Stunde frühzeitig beendet. Nachdem Pee-Wees Frustrationslevel so hoch geschnellt war, wollte ich lieber keine direkten Kontakte mehr zulassen. Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Abends hat dann Karin noch angerufen und mir netterweise ihre (guten) Eindrücke mitgeteilt. Ein freundlicher, aufgeregter Hund, der aber keine Aggression zeigt und offenbar einfach mit der Gesamtsituation und vor allem mit Einzelhundbegegnungen überfordert ist, weil er das wahrscheinlich einfach nicht kennt. Da er aber „zählen“ kann, hält er sich grundsätzlich bedeckt, sobald er in eine Hundegruppe kommt -> im Tierheim lebte er problemlos in einer großen Gruppe und in seiner Pflegestelle lebten 17 andere Hunde. Auch dort hatte er sich locker eingefügt.

Jetzt heißt es einfach üben, üben, üben… und Ruhe reinbringen. Das A und O dabei ist eine gute Bindung und Vertrauen. Seinen Namen lernen, Grundgehorsam, Blickkontakt auf Signal und Maulkorbtraining, damit ICH einfach mehr Sicherheit habe und gelassener an Hundekontakte rangehen kann.

Das klingt doch nach einem Plan, oder? 

Er kann auch anders….

Da saßen wir ganz gelassen im Wartezimmer der Tierarzt-Praxis, als sich die Tür öffnete und eine Frau mit jungem Rüden reinkam (später erfahren: 15 Monate alter Rottweiler x Elo), der Pee-Wees Schnute sofort anstupste, bevor er weggezogen werden konnte…. um quasi in einer fließenden Bewegung das Bein an dem Schirmständer neben der Eingangstür zu heben. Oha!

Während die Frau nun an der Rezeption wartete, schauten die Jungs sich an und fiepten um die Wette. So weit, so nervig.

Als sich die Frau ins Wartezimmer setzen wollte und in Bewegung setzte, schaffte es ihr Rüde gleich ein zweites Mal, den Schirmständer zu markieren und den nächsten ungehobelten Kontakt zu Pee-Wee aufzunehmen, was dieser sich überraschenderweise NICHT hat gefallen lassen!

Kurzes Motzen. Die andere Frau und ich zogen unsere Rüden blitzschnell zurück und so erwischte Pee-Wee nur ein bissel Fell, als er tatsächlich nach de Jungspund schnappte. *räusper*

Um die Wahrheit zu sagen, bin ich etwas verdattert, weil ich damit nicht gerechnet hatte. An sich wirkten beide Jungs nicht unfreundlich, allerdings WAR das Verhalten des anderen ungebührlich und aufmüpfig (vor allem as Markieren in unmittelbarer Nähe eines gestandenen und intakten Rüden).

Ich schätze, ich muss da in Zukunft doch etwas vorsichtiger sein, bis ich Pee-Wees Verhalten besser einschätzen kann. Morgen geht es auf jeden Fall schon in die Hundeschule: ich möchte sehen, wie er sich verschiedenen Hunden gegenüber verhält…und erfahren, wie Katrin (die Trainerin) ihn einschätzt.

 

Pee-Wee taut auf

Pee-Wee scheint keine Hundeleckerchen zu kennen oder zu mögen und nimmt bislang selbst zuhause in entspannter Umgebung nichts an. Also probieren wir es derzeit mit Goudawürfeln. 

Damit bekommt man draußen dann doch mal seine Aufmerksamkeit…eine Grundvoraussetzung, damit er seinen Namen lernt und auf einen Rückruf reagiert. Hilfreich sind da natürlich aber auch die anderen Hunde, die ihm zeigen, wie es geht.

Mittlerweile nimmt der Große die Mädels sie und uns mehr wahr, lockert auf, zeigt erste Spielansätze und hopst fröhlich rum….sehr schön!

 

Armer Schatz

Dass ein Hund in Pee-Wees Alter mit Arthrosen und/oder Spondylosen zu tun hat, würde nicht verwundern. Allerdings gibt es mir doch arg zu denken, dass er sich nicht nur einlaufen muss, sondern dass er zwischendurch vor Schmerzen aufschreit, wenn er z.B. – ohne die Hundetreppe zu benutzen – auf die Couch kraxelt.

Ich bezweifle, dass es nur Muskelkater ist: Der Dicke bekommt zwar nun regelmäßig Bewegung (auf der PS wurde er nicht ausgeführt), doch sind das reine Leinenspaziergänge in recht gemütlichem Tempo, die wir noch dazu relativ kurz halten…eben um ihn nicht zu überfordern.

Testweise bekommt Pee-Wee nun ein Schmerzmittel. Mal gucken, wie er darauf reagiert….

Fest verschnürt

Gestern und heute ging der Spaziergang schon bedeutend besser…. ist halt blöd, wenn man keinen Urlaub hat, gleich mit allen Hunden zusammen laufen muss und sich nicht ausschließlich auf den Neuen konzentrieren kann. Trotzdem hat es wohl gewirkt, dass ich mich Pee-Wee dauernd entgegengestemmt und ihn mit einem strengen „No“ ausgebremst habe…. mittlerweile können wir tatsächlich auch schon zeitweise mit durchhängender Leine laufen!

Kritisch wird’s nur, wenn wir (bereits auf Entfernung) sich nähernde Hunde sehen…dann muss ich nämlich Mortisha anleinen, während der Dicke sich schon in die Leine wirft, und gleichzeitig gucken, ob ich den Hund kenne und Sofia gefahrlos hinlaufen lassen kann. Matilda geht glücklicherweise nicht zu anderen Hunden hin.

Heute morgen gleich Chaos pur: ich packte gerade die Hunde aus dem Auto, als eine Bekannte mit ihrem Australian Cattle Dog (intakter Rüde) und einem Boxer-Baby auf uns zukam. Mortisha LIEBT Ponto zwar, doch ich wollte natürlich nicht, dass sie Hundekinder verhaut, also blieb sie an der Leine und regte sich füchterlich auf. Pee-Wee warf sie mit vollem Körpereinsatz in die Leine. Die beiden Chaoten schafften es glatt, mich innerhalb von Sekunden so mit ihren Leinen zu umwickeln, dass ich mich weder vor noch zurück bewegen konnte… derweil Matilda (frisch aus dem Auto total aufgeregt) wie ein Flummi an mir hochsprang, kläffte und in die Leinen biss…und Sofia wie eine wildgewordene Rakete zwischen allen Hunden herumraste und den Spaß ihres Lebens hatte!
ARGH!

Nun kam auch noch das Welpchen und ich konnte die Oma gerade noch davon abhalten, ihm die Nase abzubeissen… Pee-Wee freute sich einen Ast ab und hätte mich fast umgerissen…und Ponto (sonst immer total nett) ging plötzlich knurrend in die Leine und ließ meinen Großen nicht aus dem Blick.

Ok…die beiden Jungs werden wohl keine Freunde. *seufz*

Na ja…ich hab’s dann doch noch geschafft, mich aus dem Hundegewusel zu entwirren, ohne dass sich jemand die Gräten gebrochen hat. 

Annäherung

Zuhause nähert man sich an… genauer gesagt nähern sich die Kleine und der Große an (Mortisha und Sofia sind easy).

Morgens:

Am frühen Nachmittag:

Auch wenn das schon seeeeehr gut aussieht, bedeutet das noch lange nicht, dass Matilda den Großen voll und ganz akzeptiert hat. Zwischendurch kräuselt sie noch heftigst das Näschen, wenn er zu lange an ihr schnuppert.  

Erster Tierarztbesuch

In der Praxis hat sich Pee-Wee echt wacker geschlagen: in Spanien hatte man ihn noch zu viert festhalten müssen, um ihn zu behandeln – heute reichten Görk und ich, obwohl die Ohrenbehandlung wirklich weh getan und der arme Schatz leise vor sich hingefiept hat.

Nun also zu den guten und wenige guten Ergebnissen:

Die Ohren müssen seit Jahren unbehandelt geblieben sein und vor allem das rechte ist total zugewuchert, knallrot, voller Schmodder und offener Stellen. Das schmerzt schon beim Hinsehen. Glücklicherweise ist der Gehörgang in der Tiefe aber offen und das Trommelfell unbeschädigt.

Wir haben nun von beiden Ohren Abstriche genommen, haben aber schon mal auf Verdacht ein Medikament mit Depotwirkung ganz unten reinmassiert, das die „handelsüblichen“ Erreger abdeckt. Mit etwas Glück reicht das schon. Ich darf jetzt keinesfalls an die Ohren gehen und diese reinigen, sondern darf lediglich die äußeren Wucherungen mit Peptivet einschmieren, um die Haut bei der Regeneration zu unterstützen.

Das tränende Auge kniept Pee-Wee zusammen, weil er ein Roll-Lid (Entropium) hat. Da die Ursache nicht klar ist und es evtl. nur stressbedingt (z.B. durch Zugluft) ist, hat er erst mal ein Lokalanästhetikum bekommen und ich muss ihm 3x täglich ein Gel ins Auge schmaddern. Vorsichtshalber wurde das Auge noch eingefärbt und wir konnten zumindest sehen, dass die Hornhaut glücklicherweise intakt ist!

Sollte das Entropium nicht „von alleine“ verschwinden, wird der Dicke wohl operiert werden müssen. Bei der Gelegenheit wird er dann wohl auch kastriert werden. Sollte die OP nicht notwendig sein, bekommt er erst mal nur zugegebener Zeit einen Suprelorin-Chip, da Matilda ebenfalls intakt ist und wir da natürlich keine Risiken eingehen können.

Die „Knabberstelle“ an der OP-Narbe darf ich mit Honigsalbe behandeln und muss natürlich darauf achten, dass er nicht mehr dran geht.

Unsere TA war jedenfalls begeistert, wie lieb der Bollerkopf sich alles hat gefallen lassen und wir sind unglaublich froh, dass das Ganze relativ stressfrei und vor allem ohne Druck (und ohne Maulkorb) geklappt hat.

Im Wartezimmer hätte Pee-Wee am liebsten alle und jeden begrüßt. Leider hatten aber die meisten Angst vor ihm und haben daher keinen Kontakt zugelassen. Als dann zufälligerweise eine Nachbarin mit ihrem neuen Aussie-Welpen auftauchte, habe ich das natürlich gleich ausgenutzt, um Pee-Wee wenigstens EINE nette Begegnung zu verschaffen. Er hat sich wie bolle gefreut, ist wedelnd um das Kleingemüse rumgestiefelt und fand es lustig, dass Ginger ihm immer mit dem Pfötchen im Gesicht rumgepatscht hat. 

Leider reichte diese Demonstration seiner Gutmütigkeit nicht aus, um die anderen Hundebesitzer zu entspannten. So durfte denn auch der Berner Sennen-Junghund, der unseren Dicken (40,1 kg) anwuffte und zum Spiel aufforderte, nicht zu ihm hin… was Pee-Wee geradezu zu Verzweifelung getrieben hat: er hat gefiept, gewinselt und schließlich lautstark gejammert (bis gekreischt), so dass ich irgendwann kurz mit ihm nach draußen gegangen bin, damit er sich abregen konnte.

Wenn das so weitergeht, werden wir noch viel „Spaß“ haben….