Erinnerungen

Vor genau einem Jahr hat uns Mortisha, unser gelebter kleiner Gremlin verlassen.

Die Erinnerungen an sie begleiten uns immer noch jeden Tag…. Vor allem wenn wir uns Matilda ansehen, die so viel von ihrer Ziehmama gelernt und so viele kleine Eigenheiten und Verhaltensweisen von ihr übernommen hat. „Erschwert“ wird das Ganze natürlich noch dadurch, dass sie ihr recht ähnlich sieht, auch wenn sie natürlich kleiner und zarter ist. Trotzdem… es passiert sowohl mir als auch Görk immer wieder, dass wir das „Mogel“ ansprechen…und dann betreten schweigen.

Wir vermissen unser Mädchen so sehr!

 

Seminar „Die größten Irrtümer beim Hund“

Über den Tierschutz ergeben sich oft sehr nette und konstruktive Bekanntschaften. So steht die Molosser-Vermittlungshilfe schon seit einigen Jahren mit dem Tierheim Pforzheim in Verbindung, genau genommen mit Silvana Morinelli, einer Hundeverhaltensberaterin, die dort insbesondere mit den nicht ganz einfachen Hunden arbeitet und sie auf ein Leben in einem eigenen Zuhause vorbereitet.

Silvana arbeitet in letzter Zeit verstärkt mit dem TSV Pitbull, Stafford & Co Köln bzw. mit Stefan zusammen, dem Trainer, der sich um deren Hunde kümmert. Dadurch ist sie öfter mal im Rheinland und als wir zufälligerweise darüber mailten, lud sie mich spontan zu einem Seminar ein, an dem ich natürlich sehr gerne teilgenommen habe…. schon um sie endlich mal persönlich kennenzulernen.  

Thema des Seminars war: „Die größten Irrtümer beim Hund“

In einer lockeren Gesprächsrunde, die Silvana wirklich interaktiv gestaltet hat, wurden nicht nur Themen wie Dominanz, Welpenschutz, Übersprungshandlungen, Triebe/Instinkte und der Unterschied zwischen Aggression und Gefährlichkeit erklärt und wissenschaftlich belegt, sondern auch Fragen diskutiert, die sich viele Hundehalter stellen, wie 

Haben Hunde ein schlechtes Gewissen?
Erkennen Sie Trauer?
Haben Sie eine Seele?
Können Sie bluffen?
Und vieles mehr…

Mir hat das Seminar viel Spaß gemacht, weil es wirklich erfrischend locker war und die sehr sympathische Silvana sich  nicht in theoretischen Erklärungsmodellen verloren hat, sondern praxisnah und gut verständlich erklärt und mit Beispielen belegt hat. 

Mutig?

Während Matildas Läufigkeiten meiden wir natürlich stark frequentierte Gegenden bzw. laufen zu eher unchristlichen Zeiten. Wir müssen ja weder uns noch andere Hunde stressen.

Als wir heute recht früh am Morgen von der Siegfähre aus kommend bis an den Rhein gelaufen sind, haben wir daher eine Strecke genommen, wo wir meist niemandem begegnen. Erst auf der großen Wiese hinter der Nordbrücke (und somit hinter der Freilauffläche) kamen uns zwei Frauen mit ihren beiden Hunden entgegen. Auf meinen frühzeitigen Hinweis hin wurde ich zwar sofort beruhigt, doch beim Näherkommen hieß es, ich sei aber mutig, hier mit einer läufigen Hündin unterwegs zu sein. 

Ähm…wieso? Wir waren recht weit von der Hundewiese entfernt, die Gegend ist flach und unbebaut (sprich bestens überschaubar) und um diese Uhrzeit waren eh nur vereinzelt Hund’ler unterwegs.   

Kurz darauf tauchte unter der Nordbrücke ein Mann auf, der aber stehenblieb und gebannt auf sein Handy starrte. Derweil trabte sein Hund (mit knallorangener Schleppleine) weiter und anhand seines doch sehr flotten und zielgerichteten Gangbilds war mir sofort klar, dass es ein Rüde sein musste. Oh oh. Der Mann bemerkte nichts oder ihm war es schnuppe, dass sich sein Hund komplett aus seinem Einflussbereich entfernte und sich locker-flockig 100 m und mehr von ihm entfernte. 

Yep. Es war ein Rüde. Etwa in Sofias Größe und SEHR angetan von Matilda. Er näherte sich ihr doch sehr forsch…und erschreckte fürchterlich, als die böse fremde Frau einfach die Schleppleine packte und ihn von dem lecker duftenden Mädchen wegzog. Sein Wegspringen gab mir die Möglichkeit, Matilda auf den Arm zu nehmen und – dicht gefolgt von dem Rüden – auf den Mann zuzulaufen, damit der seinen Vierbeiner einsammeln konnte.  

Der Mann hatte zwischenzeitlich endlich aufgeschaut und kam nun aufgeschreckt angelaufen.

„Ist sie läufig?“ Ich bejahte. Er machte große Augen. „Gehen Sie etwa über die Hundewiese!?!“ Ich verneinte mit aller Deutlichkeit…. schenkte es mir aber zu sagen, dass ich a) nicht mit dem Hammer geschlagen bin und b) der Hundewiese nur so nah gekommen war, um ihm seinen Hund zu bringen, auf den er nicht aufgepasst hatte. Sonst wäre ich nämlich schon viel eher links abgebogen und wieder Richtung Siegfähre gelaufen. Hatte nur keine Lust, mit einem dritten Hund heimzufahren. 

Muss es wirklich „mutig“ sein, mit einer läufigen Hündin spazierenzugehen?
Ist es „mutig“ zu erwarten, dass sich Hunde nicht allzu weit von ihren Menschen entfernen sollten?
Ist es „mutig“davon auszugehen, dass Hunde, die Freilauf genießen dürfen, halbwegs im Gehorsam stehen?

Liebestoll

Heute habe ich gepennt und einem uns entgegenkommenden Hundehalter nicht rechtzeitig gesagt, dass ich eine läufige Hündin dabei habe. Der Mann leinte seinen (leider stark übergewichtigen) schwarzen Labrador ab, der raste auf eine anfangs völlig begeisterte Sofia zu, die sich über einen neuen Hundekumpel freute…. und dann völlig konsterniert stehenblieb, als der Rüde sie einfach zur Seite schubste und zielsicher Matilda ansteuerte. 

Die wurde sofort derart heftig von dem liebestollen Rüden bedrängt,  dass sie mich nur noch hilfesuchend anschaute und gar nicht erst versuchte, ihn in seine Schranken zu weisen. Welch Glück, dass das Tildchen so ein Winzling ist! Beherzt schnappte ich sie mir und nahm sie auf den Arm… 

Labbis Herrchen kam glücklicherweise auch sofort angerannt und hatte nun alle Mühe, den wie wild an mir hochspringenden Rüden zu fassen zu kriegen. Schließlich hatte er ihn aber und konnte ihn von uns wegzerren.

Blöde Situation, aber manchmal leider nicht zu vermeiden. Auch heiße Hündinnen wollen noch das Haus verlassen… und wenn ich besser aufgepasst hätte, wäre die Situation ja auch nicht so aus dem Ruder gelaufen. 

  

Sofias Status quo

Schmerzmittel sind abgesetzt, Sofia läuft seit einer knappen Woche ohne Leine…. und läuft (nach Belastung) nicht sauber. Manchmal sieht man kaum was, sie scheint einfach nur vorsichtiger aufzutreten. Heute ist sie kurz mit einer anderen Hündin gerannt und lahmte deutlich (aber nicht stark) vorne links.

Sie jammert nicht, läuft sich ein und ist bestens gelaunt.

Weitere Diagnostik machen wir nicht, weil sie nicht mehr in Narkose soll. Wir lassen das jetzt so, bremsen sie höchstens ein bisschen aus und wenn es schlimmer wird, gibt es Schmerzmittel….

SEUFZ

„Lecker Mädsche“

….dachte sich wohl Monty, der Jagdterrier-Mix, der uns heute ein Stück des Weges begleitet hat. 

Mit seinem feinen Näschen wusste er natürlich sofort, dass Matilda gerade läufig ist und interessierte sich daher nicht für Sofia, die soooo gerne mit ihm gespielt hätte. Er ließ die Große also recht schnell links liegen und stellte sich der Kleinen artig vor, die ihn jedoch – für ihre Verhältnisse- sehr milde abwies. Ganz Gentleman hielt sich der ältere Herr zwar nun zurück, folgte ihr aber doch auf Schritt und Tritt in geringem, wenn auch respektvollem Abstand….. während ihm die Sabber nur so aus dem Schnütchen troff! 

Sein Frauchen, eine ältere und sehr nette Dame, konnte es kaum fassen: sie hatte in all den Jahren noch nie gesehen, dass ihr Hund solche Sturzbäche produzieren konnte!
 

Hier ist Energie gefordert…

Es hat sich schon die letzten Wochen angekündigt, weil das Interesse anderer Hunde an Matilda immer größer wurde und ihre Vulva peu a peu anschwoll: nun ist sie seit gestern endgültig läufig und schon heute hatten wir die erste lustige Begegnung mit einem Rüden.

Wir waren in Bergheim unterwegs und sahen von weitem einen Mann mit jungem freilaufendem Eurasier-Rüden, der sich relativ weit von seinem Herrchen entfernt hatte.

Als Avi uns sah, rannte er sofort schnurstracks auf uns zu, also rief ich dem Mann zu, dass ich eine läufige Hündin dabei hätte.

Die Reaktion war herrlich:  kurze Schrecksekunde, dann rannte er los und versuchte durch Rufe und Pfiffe, seinen Jungspund abzurufen. Als ihm die Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen bewusst wurde (Avii ignorierte ihn komplett und einholen konnte er den Hund eh nicht), verlangsamte er seinen Schritt und rief nur noch: „Schicken Sie ihn bitte energisch weg!“

Gesagt, getan. Ich hielt Sofia fest, schickte Matilda hinter mich…. machte einen Schritt vor, streckte den Arm nach vorne und herrschte Avii an: „Fort mit dir!“ Der arme Hund machte  eine Vollbremsung und trollte sich augenblicklich. Herrchen sammelte ihn ein, nahm ihn an die Schleppleine und bedankte sich bei mir.  

Jetzt hoffe ich nur, dass ich den armen Wuschel nicht allzu sehr geschockt und seinen Glauben an die Menschheit nicht allzu sehr erschüttert habe. Bei der heftigen Reaktion scheint er Menschen gegenüber ja eh recht skeptisch zu sein und es täte mir leid, wenn er Fremde in Zukunft noch misstrauischer beäugt.