Balisto – schon wieder weg

Und es ist schon wieder passiert!

So toll dieser Hund ansonsten auch ist, mit seinem heftigen Jagdtrieb bringt er mich so langsam an meine Grenzen…… Der Drecksack ist nämlich verdammt clever und hat mich eiskalt ausgetrickst!

Balisto an Schleppleine, die den Großteil des Spaziergangs hinterherschleift. Er arbeitet super mit, hört perfekt auf folgende Signale: Langsam, Stop, Zurück, Raus da, falsche Richtung. Ich superzufrieden und entspannt.

Dann nähern wir uns einer hochstehenden Wiese, die zur Sieg führt. Er biegt ganz gemächlich in die Wiese ab, die Handschlaufe verschwindet. Ich sage „Stop“, gehe hin, beuge mich runter….doch die Handschlaufe ist weg und der Hund auch! Und zwar OHNE dass sich das Gras bewegt oder man irgendwas gehört hätte!

Balisto hat also nichts gesehen oder gehört, was Jagdtrieb und ein Lospreschen ausgelöst hätte, sondern ist klammheimlich (quasi im Schleichmodus) verschwunden….einfach in dem Wissen, dass 50 m weiter die Sieg verläuft und er dort Wasservögel finden wird. *grmpf*

Ich also quer über die Wiese, durch’s Unterholz, dann die steile Böschung zur Sieg runter…doch von Balisto keine Spur! 

Da er beim letzten Mal immer um die Siegfähre kurvte, bin ich dort hin…. dort hatte man ihn aber nicht gesehen. Also war der Dreckspinsel doch nicht in diese Richtung gelaufen.

Ich also die Mädels ins Auto gepackt, weil die durch meine aufsteigende Panik schon ziemlich durch den Wind waren, und dann ab zum Verlustort. Unterwegs wieder Leute angequatscht, meine Telefonnummer verteilt, Verlustmeldung geschaltet, etc. pp. 

Dann wieder an die Sieg runter (mittlerweile ist er schon fast eine Stunde weg). Blick nach links: nichts. Da höre ich ein Platschen rechts von mir…auf der gegenüberliegenden Flussseite. Und tatsächlich: da stiefelt ein Hund hinter Enten her und kommt in meine Richtung. Ich rufe auf Verdacht. Ja, es IST Balisto! *hapuuh*

Er nähert sich, steht mitten im Fluss auf einem Kiesbett, schaut mich an, vielleicht 20 m entfernt. Da kommen leider ein paar Gänse vorbeigeflogen…. er wirft sich rum und weiter geht die Jagd! ARGH!

Ich wie ein Blöde ein Stück die Uferbefestigung langgestolpert, muss schließlich bäuchlings unter einem umgestürzten Baum durchkrabbeln, um weiterzukommen, dann versperrt mir dichtes Unterholz den Weg. Balisto ist mittlerweile natürlich wieder verschwunden und ich gerate immer mehr in Panik.

Was tun?
Ab in die Sieg!

Glücklicherweise führt die Sieg derzeit relativ wenig Wasser (wenn auch immer noch höher als meine Gummistiefel), so dass ich quer durch den Fluss waten kann…. und den Mistfink dann auch endlich wieder entdecke…. fröhlich quer und kreuz durch das Wasser hinter ein paar Enten her, die wohl zwischenzeitlich seinen Weg gekreuzt haben. 

Geschirr und Schleppleine sind natürlich nicht mehr an ihm dran.

Auf meinen Brüll hin verschwindet er im Unterholz auf der anderen Flussseite, taucht dann aber beschwichtigend auf, als ich fluchend die Böschung raufkraxle…und lässt sich anleinen. UFF!

Meine Nerven sind komplett runter: bin seit Wochen krank, hatte letzte Woche einen Autounfall und nun das…. so langsam mag ich nicht mehr.

Nachmittags bin ich dann notgedrungen wieder los, um ein neues Geschirr (40 €) und eine neue Schleppleine (50 €) zu kaufen, eine neue Petfindu-Marke (25 €) muss ich noch bestellen.

Davon einmal abgesehen, dass es echt ein teurer Spaß ist, wenn mir der Chaot ständig flitzen geht, ist das Risiko groß, dass ihm irgendwann etwas zustößt und wir ihn komplett verlieren. Aber ein Leben lang an der Schleppleine? Ich muss sein Training also noch mal intensivieren und ihn NOCH früher festhalten, sobald wir auch nur ansatzweise in Richtung Wasser kommen…. 

Befund schon da!

Das ging fix: vorhin hat die Vet angerufen und die Untersuchungsergebnisse durchgegeben. Wie erwartet ist alles in Ordnung und der Bub ist kerngesund! 

Mittlerweile ist der Befund auch per Fax hier eingetrudelt und ich habe alles schwarz auf weiß vorliegen. Babesiose, Ehrlichiose, Leishmaniose, Rickettsiose, Filariose und Anaplasmose…alles negativ!

Mittelmeercheck

Aufgrund der ganzen Corona-Geschichte und meiner Erkrankung haben wir den seit März anstehenden Mittlemeercheck erst heute in Angriff genommen…und es war gar nicht mal so leicht, Balisto Blut abzuzapfen.

An diesem Hund ist ja alles so unglaublich zart und schmal, inclusive der Venen. Die Tierärztin hat zwar sofort eine Vene am rechten Hinterlauf getroffen, doch dann tröpfelte es nur im Schneckentempo und die Ampulle wollte sich einfach nicht füllen. Bali, mein kleines Weichei, wurde unruhig und versteckte schließlich sein Schnütchen unter meiner Achsel.  

Schließlich mussten wir aber aufgeben und es am rechten Vorderlauf probieren, wo das Blut dann glücklicherweise besser floss. Hapuuuh!

Nun müssen wir ein paar Tage warten und haben dann sicher Gewissheit, dass alles in bester Ordnung ist mit dem Schmalhans.

A propos: man kriegt einfach kein „Fett“ an diesen Hund. Mittlerweile ist er sogar unter die 30-kg-Marke gerutscht (29,7 kg). Ich werde wohl doch noch mal die Futtermenge erhöhen müssen…. das Kerlchen verbrennt die Kalorien nämlich wie nichts.  

Ich habe gelesen….

Christiane Koneczny, Helios – Ein ganz besonderer Hund

 

Dieses Büchlein ist mir als Betreiberin der Kampfschmuser-Vermittlungshilfe mit ein paar sehr netten Zeilen von der Autorin als persönliches Lese-Exemplar zugeschickt worden. Vielen lieben Dank dafür!

Frau Koneczny schildert hier die Geschichte ihres zweiten Listenhundes, den sie aus dem Tierschutz übernommen hat. Über Helios‘ Vorgeschichte kann man aufgrund seiner sozialen Defizite und Schwierigkeiten nur spekulieren, die Umstände seines Auffindens sprechen aber schon Bände….und man kann ihr wirklich hoch anrechnen, dass sie nicht aufgegeben hat und weiterhin intensiv mit ihrem Hund arbeitet. Zuhause ist er nämlich ein absoluter Schatz ist, draußen treibt er sie aber oftmals zur Verzweiflung und hat schon einige Hundetrainer verschlissen, von den gesundheitlichen Problemen einmal abgesehen.   

Auch wenn ich den Gedanken hinter dem Büchlein zu schätzen weiß und begrüße, habe ich ein paar kleine „Kritikpunkte“: Zum einen hätte ich mir eine bessere Gliederung sowie einen Korrekturleser gewünscht, zum anderen gefallen mir persönlich freigestellte Fotos auf buntem Hintergrund nicht besonders. Letzteres ist aber eine reine Geschmacksfrage.

Viel wichtiger ist, dass hier jemand Mut macht, einen Hund aus dem Tierschutz zu übernehmen…. dass er (bzw. sie) ohne Wenn und Aber hinter seinem Hund steht… dass er seinen eigenen Weg geht, immer wieder das Gute an seinem Liebling sieht und nicht aufgibt, auch wenn so mancher schräg zu dem vermeintlichen „Kampfhund“ rüberschaut und durch unbedachtes Verhalten und fehlende Rücksichtnahme Trainingsfortschritte behindert oder gar zunichte macht  

Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit Helios weitergeht. Denn noch steht er ziemlich weit am Anfang und seine  Entwicklung / Resozialisierung ist noch lange nicht abgeschlossen. Da kann ich wirklich nur alles Gute für die Zukunft wünschen!

Im Garten

Bei herrlichem Wetter lässt sich so ein eigener Garten wirklich genießen…. die Wauzis mögen es total, im Gras zu liegen und sich die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen, sich zwischendurch wonniglich zu kugeln, sich den Wind um die Nase streichen zu lassen und sich zwischendurch Streicheleinheiten abzuholen. 

Und dann gab es sogar eine Premiere: Bali hat tatsächlich gespielt!
 
Bislang hat sich Sofia ja immer vergeblich bemüht, ihn zum Spielen zu animieren….heute war er aber so entspannt, dass er tatsächlich hinter einem Kong hergesprungen ist, den ich durch die Gegend geworfen habe. Und als Sofia mitgehopst ist, hat er sich dazu „herabgelassen“, auch mal ein bisschen mit ihr rumzualbern.

Lange Hundepause

Nachdem es mich Ende April gesundheitlich ziemlich umgehauen hat (incl. Krankenhausaufenthalt, Isolierstation, kleiner OP zur Diagnosesicherung) bin ich leider immer noch ziemlich angeschlagen und fühle ich mich schnell erschöpft, sobald ich ein bissel mehr tue. Um so mehr freue ich mich, dass ich zumindest wieder so fit bin, dass ich seit heute wieder eine kurze Runde mit den Hunden mitlaufen konnte, was ich nun natürlich langsam steigern möchte. 

Um die Wahrheit zu sagen, tut das auch Not. Die Wauzis tanzen Görk nämlich so langsam, aber sicher auf der Nase rum und ich muss hier mal wieder für „Zucht und Ordnung“ sorgen.

Mein Schatz ist für die drei Chaoten der perfekte Hundepapa: absolut verlässlich und stark, verschmust und verspielt, leicht manipulierbar (ich sage nur „unverdiente Leckerchen“). Aber er ist halt auch inkonsequent und wandert lieber verträumt durch die Gegend, statt mit den Hunden zu arbeiten oder zumindest mal ein paar Übungen zwischendurch einzustreuen. Das rächt sich natürlich nach einer Weile….

Balistos Schleppleine konnte gar nicht mehr fallen gelassen werden, weil er auf kein Distanzsignal mehr reagierte….. Sitz und Bleib hatte der junge Herr auch ganz spontan vergessen. Sofia hatte nix als Quatsch im Kopf und Matilda war endgültig zur Rampensau mutiert, die nur noch hopste, kläffte und in alles Mögliche reinbiss und schüttelte (Geschirre und Leinen der Großen)…. im absoluten Überdreher hat sie sogar mal in Balis Ohr gebissen oder Görks Wade gezwackt. Das geht natürlich gar nicht!

Interessanterweise wissen die Hunde trotz dieser langen Pause ohne „Mama“ ganz genau, dass ich so was nicht dulde. Gut… Matilda ist eine Bulldogge und brauchte hin und wieder eine Ermahnung und Ablenkung, aber Balisto arbeitete SOFORT begeistert mit, sobald die Schleppleine fiel…. „Stop“ und „Zurück“ wurde ohne zu zögern ausgeführt, er rannte gleich full speed zu mir und landete mit einem breiten Grinsen im Gesicht im perfekten Vorsitz dicht vor meinen Beinen!

Dieser Hund WILL arbeiten und kann den Schäferhundanteil anscheinend nicht verleugnen, von daher bin ich zuversichtlich, dass er bald wieder größere Freiheiten haben darf und Spaziergänge demnächst etwas entspannter laufen.   

Ich habe gelesen….

William G. Syrotuck, Scent and the Scenting Dog


Vor 10 Jahren ist mir dieses Buch noch von professionellen Mantrailern empfohlen worden und ich hatte es mir damals pflichtschuldigst in den Staaten bestellt…und dann doch nur überflogen. *räusper*

Da ich mit Kurzarbeit bzw. Krankschreibung nun sehr viel Zeit habe, habe ich natürlich endlich die Muße, um ein Buch nach dem anderen zu lesen, unter anderen dann natürlich auch ältere Sachen wie dieses hier.

Leider hat es mich aber total enttäuscht: Es ist nämlich schlicht und ergreifend total veraltet und berücksichtigt nicht die neuesten Erkenntnisse in Sachen Geruchsforschung. Tatsächlich wurde das Büchlein Anfang der 70er Jahre geschrieben und selbst die mir vorliegende siebte Auflage wurde nicht erweitert oder anscheinend auch nicht korrigiert, da es immer noch vor Typos strotzt.  

Die Illustrationen sind sehr simpel und trotzdem oftmals schwer verständlich, der Autor verliert sich in technischen und chemischen Details, die für die Arbeit mit Mantrailern weitestgehend irrelevant sind.  De facto konzentriert er sich primär auf Fährtenarbeit und geht nicht allzu intensiv auf’s Trailen ein, welches er auch nur auf Naturboden erklärt. Das Trailen im städtischen Bereich, welches immer wichtiger geworden ist (z.B. bei der Suche von demenzkranken Senioren, die unbemerkt ihr Pflegeheim verlassen haben), bleibt quasi völlig unberücksichtigt. 

Schade, ich hatte mir wirklich mehr davon versprochen!

 

Wahner Heide

Balisto in der Wahner Heide: er fand es megaspannend und ohne Schleppleine wäre er bereits innerhalb der ersten fünf Minuten über alle Berge gewesen und hätte uns im seinem Jagdfieber komplett ausgeblendet.  

Welch Glück, dass die Mädels – trotz jagdlicher Ambitionen – in dieser Beziehung sehr viel relaxter sind und ansprechbar / abrufbar bleiben!