Blöde Vorurteile

Heute war ich – wie so oft – mit den Hunden an der Sieg unterwegs und stiefelte gerade einen Feldweg entlang, als ich durch Büsche hindurch eine Frau sah, die mir hinter einer Wegbiegung mit einem freilaufenden Hütehund entgegenkam, der jagenderweise über die Felder rasen durfte.  Ich rief meine Hunde also betont laut zu mir, damit sie mich bemerkte, und leinte die beiden Kleinen an.

Der fremde Hund wurde zwar nicht angeleint, doch stiefelte die Frau zumindest ein paar Meter auf die Wiese hinaus, stellte sich neben ihren Aussie und „sicherte“ ihn so ab. Ist mir ja recht… Hauptsache, ein fremder Artgenosse rast nicht einfach in mein Grüppchen rein. Ich mich also artig bedankt und noch bedauernd hinzugefügt, dass meine Drei gemeinsam leider nicht besonders freundlich zu fremden Hunden seien. Ihre Reaktion: „Ja, das sieht man.“

WIE BITTE?

Die beiden angeleinten Hunde liefen an locker durchhängender Leine neben mir her und schauten nicht mal zu dem Hund rüber (ca. 10 m Distanz reichen für ihr „Sicherheitsbedürfnis“) und die nicht angeleinte Vega guckte zwar, trabte aber ohne ein Kommando von mir locker-flockig an ihm vorbei.

Was – bitte sehr – veranlasste diese dumme Schnepfe also zu diesem blöden und völlig unangemessenen Kommentar? Die reine Optik? Bollerköppe, kurzes Fell, dunkle Stromung?

In diesem Moment konnte ich mir die bissige Frage nicht verkneifen, wie sie denn darauf komme. Nur wegen ihres Aussehens?
Keine Antwort.

Sorry, aber da musste ich ihr dann doch noch reinwürgen, dass wir ansonsten ausnehmend schlechte Erfahurngen mit unerzogenen Hütehunden machen und nicht mit solchen Hunden!

Dachdecker

Nachdem wir nun schon seit Jahren auf ein neues Dach sparen, ist es jetzt endlich so weit: die Dachdecker sind da und machen sich an die Arbeit. Yippee!

Meine Sorge, dass die Hunde hier nun aber den lieben langen Tag Theater machen würden, hat sich glücklicherweise als völlig unbegründet herausgestellt.  Klar: als da plötzlich fremde Männer auf die Einfahrt stiefelten, einen Container vor dem Wohnzimmerfenster abstellten und damit begannen, ein Gerüst aufzubauen, wurde erst mal angeschlagen… doch mit Clicker und Leckerchen war selbst bei Mortisha das Thema innerhalb einer knappen halben Stunde erledigt.

Und da die Jungs absolut locker und „hundefreundlich“ sind, durfte das Trio im Laufe des Vormittags auch mal Kontakt machen und  sich durchknuddeln lassen. Wir sehen den kommenden Wochen also ganz entspannt entgegen.

Schreck

Da Vegas gebrochener Hinterlauf gut verheilt, darf sie ihn langsam stärker belasten…und so freute ich mich heute morgen, als wir den tatterigen Schäferhund-Senior Arko trafen, den mein Mädel seit Jahren gut kennt und supernett findet. Die Begrüßung ließ ich kontrolliert an der Leine stattfinden, damit meine Schäkertante nicht um den alten Herr rumtanzen konnte und dann stand einem Ableinen und gemütlichen Spaziergang nichts mehr im Wege.

Die beiden Hunde trotten hochzufrieden  nebeneinander her, fanden interessanten Schnüffel- und Buddelstellen und Vega warf sich immer wieder ins Gras, um gutgelaunt mit allen Vieren zu strampeln.

So weit, so gut.

Als wir Frauen dann aber an der kleinen bewaldeten Wegkreuzung standen, an der sich unsere Wege trennten, wurde natürlich – Frauen halt – noch ein bissel geklönt. Arko interessierte das nicht weiter, doch Vega hatte ihre Augen und Ohren natürlich überall. Statt nun aber aufzupassen und sie anzuleinen, tratschte ich Dussel unbekümmert weiter…. bis Vega plötzlich in den Wald sprintete, Haken schlug und schließlich beim Sprung über einen querliegenden Baumstamm ausrutschte… und das „nur“, weil sie ein Eichhörnchen entdeckt hatte!

Ich könnte mich selbst ohrfeigen, aber unsere Tierärztin, die ich natürlich gleich angerufen habe, war ganz entspannt: das Bein müsste mittlerweile stabil genug sein, um so etwas auszuhalten…und außerdem könnte ich Vega nun einmal nicht in Watte packen. Na ja…irgendwo hat sie natürlich recht, aber trotzdem ist so was total unnötig.

Es scheint aber wirklich nichts passiert zu sein. Jedenfalls läuft Vega immer noch sauber, selbst nach einer Ruhephase. Hapuuh!

Ich lese gerade….

Michael Frey Dodillet, Herrchen will nur spielen

dodillet

Im Gegensatz zu Dodillets erstem Buch „Herrchenjahre“ sind die „Aufzeichnungen einer aufmüpfigen Hündin“  – wie der Untertitel shcon verrät – aus der Sicht seiner Hündin Luna geschrieben, die hier nun andere Hunde unter dem Psyeudonym Fräulein Rottmeier in allen Lebenslagen in Sachen Menschenerziehung berät.

Gewohnt humorvoll und nun auch mit niedlichen kleinen Zeichnungen versehen garantiert das Büchlein ein paar (wenige) Stunden ungetrübten Lesespaß und eignet sich unter Hundefreunden bestens als ein nettes kleines Geschenk.

Kangal versus Höllentrio

…oder: „Interessante interkulturelle Erkenntnisse“

Auf unserer heutigen Runde über die Bergheimer Wiesen und Felder sind wir einem türkischen Mann begegnet, der im ersten Augenblick etwas reserviert wirkte… auf mein freundliches Grüßen hin aber von seinem Fahrrad abstieg und mich völlig mit der Frage konsternierte, ob die Hunde (Fingerzeig auf mein Trio) auch kämpfen würden. Während ich noch mit mir rang und mich nicht entscheiden konnte, ob ich pampig, übertrieben freundlich oder mit Nicht-Beachtung reagieren sollte, fügte der Mann – nicht ohne Stolz hinzu – dass sein Kangal die drei fertig machen würde.

Innerlich kochend beschloss ich, den Mann in eine Diskussion um Hunderassen, deren Funktionalität & Co. zu verwickeln… um dem Mann die Sinnlosigkeit solcher Fragen klar zu machen und ihn für die Problematiken heutiger Hundehaltung  zu sensibilisieren.

Doch…oh Wunder: im Verlaufe des Gesprächs musste auch ich einige meiner vorgefertigten Meinungen überdenken und die „traditionelle“ Sichtweise gewisser Kulturkreise in Bezug auf Hunde, deren Zweck und Wert in einem anderen Licht sehen.

Tatsächlich besitzt der Mann in der Türke nicht nur mehrere Kangals, sondern auch eine große Schafherde, die von den Hunden selbstständig bewacht wird. Und er ist nicht nur stolz auf die imposante Erscheinung und die Wehrhaftigkeit insbesondere seines Lieblingsrüden, sondern er liebt diesen auch für sein Wesen, seine Souveränität und dafür, dass er sich immer auf ihn verlassen kann. Der Hund ist für ihn nicht nur „Arbeitsmittel“, sondern Teil der Familie… er bedauert es, ihn nicht bei sich haben zu können (erfreulicherweise stimmte er mir sofort zu, dass diese Hunde in unseren Breitenkreisen nicht gut aufgehoben sind),vor allem aber tut es ihm leid, dass seine Frau überhaupt nichts mit Hunden anfangen könne und keinerlei Verantwortungsbewusstein für sie empfinde… so könne er sich nicht einmal darauf verlassen, dass sie einen Hund füttere, wenn er mal für ein paar Tage weg sei. Ganz ihm Gegensatz zu seiner alten, gebrechlichen Mutter, die sich selbst unter großen Mühen immer mit den Tieren beschäftige und sie versorge. Fazit: mit einem Hund müsse die gesamte Familie einverstanden sein und man müsse sich gemeinsam um ihn kümmern!

Ganz ehrlich: nach dem etwas schrägen Einstieg in das Gespräch war ich dann doch über die vernünftigen Ansichten des Mannes erstaunt, der mittlerweile völlig entspannt mein Trio durchknuddelte und vor allem von Simbas Bollerschädel und seinem Temperament begeistert war.

Nun folgten noch interessante „Ausflüge“ in die heutige Rassehundezucht, die gesundheitlichen Problematiken bei Molossern, deren durchschnittliche Lebenserwartung, die Preise für solche Hunde…und näherten uns  so wieder dem Gesprächsbeginn: die Kangals aus der Heimat dieses Mann müssen eine schwere und körperlich sehr anstrengende Arbeit leisten, müssen die Schafe tatsächlich gegen Wölfe verteidigen und tagtäglich mit ihnen durch das Land ziehen. Körperliche Schwächen können da fatal sein… und so wird eine Auslese nach Fitness und Wehrhaftigkeit getroffen, indem man die Hunde gegeneinander kämpfen lässt. Die „Stärksten“ dürfen sich verpaaren und steigen in ihrem Wert unglaublich an… der Kaufpreis für einen kampferprobten Kangal könne durchaus bei 30 – 40 000 (!) Euro liegen…

Ich weiss ja nicht, ob letzteres nicht doch etwas übertrieben ist…und ich bin nun sicher nicht diejenige, die Hundekämpfe plötzlich für recht und billig hält… aber ich kann doch ein gewisses Verständnis für die Einstellung der traditionellen türkischen Schafhirten aufbringen und notgedrungen akzeptieren, dass dies die althergebrachte Methode ist, die Rasse „weiterzubringen“ und robuste Nachzuchten zu erhalten….selbst wenn es heutzutage durchaus möglich wäre (und sein sollte) nicht auf solche brutalen Methoden zurückzugreifen.

Cherry Eye

In letzter Zeit ploppen immer mal wieder die Nickhautdrüsen bei Mortisha raus… sieht schon ziemlich doof aus und wenn sie zu lange vorfallen, dann entzünden sie sich und werden knallrot. Glücklicherweise tritt dieses Problem aber nicht allzu häufig bei ihr auf und die Drüsen lassen sich immer wieder zurückdrücken.

SoKa Run 2012

Der SoKa Run in Düsseldorf ist an sich ein fest eingeplanter Termin: es ist mir wichtig, Solidarität zu zeigen und mit den Haltern von Listenhunden auf die Straße zu gehen, um gemeinsam gegen die Diskriminierung verschiedener Rassen und gegen die unsäglichen Rasselisten zu demonstrieren sowie Aufklärungsarbeit zu leisten.

Um so enttäuschter war ich, dass ich gesundheitlich derart angeschlagen war, dass ich keinesfalls nach Düsseldorf fahren konnte.

Dafür war aber wieder eine ganz liebe Tierschutz-Bekannte mit ihrem Mann vor Ort: die beiden hatten ein wunderschönes Plakat von ihrer Hündin Bente gemacht und Dorty hat kurzentschlossen einen netten Motorrad-Polizisten um ein Foto gebeten. Ist das Bild nicht klasse?

Bin soooooo stolz auf meinen Dicken!

Bei einer Einzelbespaßung Simbas hier im angrenzenden Park sah ich ein paar Meter zu meiner Linken an einer Wegkreuzung eine Frau mit Ballschleuder stehen und rief meinen Dicken sofort zurück, da er mit seiner rumpeligen Art im Freilauf tunlichst keinen Hund treffen (und von den Pfoten holen) sollte.

Er kam auch ganz brav zu mir gelaufen und ließ sich anleinen… gerade noch rechtzeitig bevor Emma (ein sehr kleine, aber kernige Mischlingshündin) aus einem Seitenweg hervorschoss und mit gefletschten Zähnen auf Simba zuflog!

Solch unmotivierte Attacken lässt sich mein Simbel nun aber auch nicht gefallen und so ging er grollend in die Leine. Emma wich nur aus und setzte nach, während ich meinen ziemlich angesäuerten Mini-Molosser zurückriss. Glücklicherweise schaffte es die andere Hundehalterin nun, ihre kleine Furie einzufangen und zu sichern.

Die Frau entschuldigte sich und erklärte, dass Emmas Verhalten sich extrem verschlimmert habe, seitdem sie von einem anderen Hund mehrfach gebissen worden sei, und dass sie quasi jeden fremden Hund als Bedrohung auffasse, der ihrem Frauchen zu nahe komme. Sie bat mich nun, Simba streicheln zu dürfen, um ihrer Hündin zu zeigen, dass er ganz lieb sei.

Oooookay…..

Ich Simba also abgelegt, mich neben ihn gehockt und ihm versichert, dass alles in Ordnung sei. Und tatsächlich blieb er ruhig liegen, obwohl Emma angespannt um ihn rumtigerte, immer wieder die Nase kräuselte und Zähne aufblitzen ließ, während ihr Frauchen ihn streichelte. Das ist schon ein verdammt guter Vertrauensbeweis, finde ich!

Langsam entspannte Emma sich…und ging wieder ihrer eigenen Wege, während wir Frauen uns noch unterhielten. Mein Vorschlag, zusammen weiterzugehen und zu gucken, ob wir die kleine Kröte davon überzeugen konnten, dass Simba ein totaaaaal Netter ist, wurde mit Freude angenommen.

Der mittlerweile wieder ultracoole Simba blieb vorsichtshalber an der Leine, während Emma im Freilauf ihren eigenen Interessen nachging und immer wieder zurückgepfiffen werden musste.  Als sie endlich längere Zeit mit uns mitgetrottet war und nicht einmal mehr nervös wurde, wenn Simba ihr zu nahe kam und an ihrem Hintern schnupperte, leinte ich den Dicken mit Einverständnis der anderen Frau ab…. und Tatsache: es passierte nix!

Emma trabte selbstbewusst vor uns her und ließ sich schließlich sogar auf ein kurzes Rennspiel ein, das jedoch (von ihrer Seite aus) zu kippen drohte, als Simba auf sie zusprang. Ich sah nur Zähne,  rief Simba sofort ab…und die Anspannung war sofort raus. Hapuuuh!

Der zweite Spielansatz folgte sofort und Emma ging derart gutgelaunt (und rempelnd) darauf ein, dass ihr Frauchen sich vor Begeisterung kaum noch einbekam.

Vollends hingerissen war sie dann, als Simba neben uns stand und der kleine Giftzahn ohne Vorwarnung doch noch mal versuchte, ihn anzugehen: Simba sprang nur grummelnd zur Seite, rollte sich über die Schulter auf den Rücken und strampelte fröhlich brummelnd mit allen Vieren… während Emma mit einem selten dämlichen Gesichtsausdruck stehen blieb und es offenbar nicht fassen konnte, dass sie so überhaupt nicht ernst genommen wurde.