Als wir heute in Müllekoven spazieren gehen wollten, sind wir ausnahmsweise mal nicht den „offiziellen“ Weg bis zum Damm entlanggegangen, sondern querfeldein, so dass wir schließlich den Damm erklimmen mussten. Da wir nicht sehen konnten, wer oder was gerade eventuell auf dem dahinterliegenden Querweg entlanglief, hatte ich Simba vorsichtshalber angeleint… bei Matilda erschien mit diese Vorsichtsmaßnahme aber unnötig und so ließ ich sie einfach vorlaufen.
Dementsprechend dumm guckte ich aus der Wäsche, als ich oben auf dem Damm ankam und ein paar Meter unter uns eine gemischte Schaf- und Ziegenherde „campieren“ sah! Matilda Neugiernase war natürlich sofort an den Weidezaun gelaufen, stand Aug‘ in Aug‘ vor einem großen braunen Schaf und war sichtlich fasziniert von dem unbekannten wolligen Tier.
Glücklicherweise stand der Weidezaun nicht unter Strom und das Schaf blieb ganz ruhig.
Ich rief das Tildchen also freudig ab, sie kam – oh Wunder! – sofort zu mir, holte sich einen Jackpot ab und wir konnten erleichtert und ohne negative Verknüpfung weiterlaufen. Manchmal muss man einfach auch mal Glück haben!
Auch wenn es manchmal so aussieht, als ob Mortisha aus Matilda Kleinholz machen möchte, gab es bislang keinen ernsthaften Streit. Das „Baby“ macht dann nämlich ganz schnell auf besonders klein und lieb und unterwürfig… und bekommt letztendlich dann doch immer das, was sie haben möchte.
Die wilde Wutz liebt es, mit Simba den Damm rauf und runter zu rasen.
Die Kleine ist wirklich irre schnell, robust und absolut unerschrocken. Die stört es auch nicht im Geringsten, wenn sie mal umgerannt wird (auch wenn mir dabei jedesmal das Herz stehenbleibt) und sich dabei das Geschirr verdreht.
Zwei Mastini Napoletani aus einem ungarischen Tierheim, die wir bei der MVH vorgestellt hatten, waren einem deutschen und einem niederländischen Paar aufgefallen. Wir halfen nicht nur bei der Organisation der Vorkontrollen, die in beiden Fällen äußerst positiv ausfiel, sondern natürlich auch bei der Orga der Fahrketten.
Unsere österreichische „Wunderwaffe“ Margit holte die beiden Hunde persönlich in Ungarn ab, fuhr sie zu sich heim nach Wien und am nächsten Tag ging es ausgeruht nach Deutschland, wo die deutschen Adoptanten beide Mastini ins Auto packten und bis nach Bad Rappenau fuhren. Dort packte ich den Rüden in mein Auto und fuhr ihn nach Bonn, damit Robertos neues Frauchen ihn bei mir abholen und in sein neues Zuhause nach Holland fahren konnte.
Das war zwar, vor allem für Roberto und Lisa, eine Mammut-Tour, doch so sind beide ohne Zwischenfälle und wohlbehalten in ihren neuen Familien angekommen!
Ich fand’s übrigens toll, wie reibungslos alles geklappt hat. Ist bei Fahrketten, insbesondere bei so langen Strecken, leider nicht immer der Fall. Aber da nur wir MVH-Mädels und die beiden Übernehmer involviert waren, konnte ja nix schief gehen!
Lisa Winznase ist echt eine Zaubermaus…. die hätte ich am liebsten selber mitgenommen. Vor allem weil sie schrecklich unglücklich war, als ich Roberto eingepackt habe. Aber sie hat glücklicherweise einen ganz tollen Bulldog-Hundekumpel bekommen und lag bereits nach einer Stunde mit ihm in einer Kudde!
Roberto ist übrigens McObercool. Den schockt nix. Nach einer kurzen Ansage von mir (NEIN… du krabbelst nicht auf den Beifahrersitz…. und NEIN… du zerkratzt mit deinen Bärenpranken nicht meinen Rücksitz) hat er sich brav hingelegt und friedlich vor sich hingeschnarcht. Hin und wieder ist er aufgestanden, hat sich umgedreht, von meiner Mama (die mich netterweise begleitet hat) streicheln und zutexten lassen…und ist dann wieder eingeschlafen.
Zuhause angekommen waren die holländischen Übernehmer noch nicht da. Also gab es erst mal was zu trinken, dann sind wir schön spazieren gegangen und anschließend habe ich ihn durch den Hintereingang ins Haus geschleust. Mein Quartett hat es trotzdem mitbekommen und war „not amused“. War Roberto aber total schnuppe.
Mein schönes neues – noch nicht ganz fertiges – Bad hat er erst mal unter Wasser gesetzt (beim Trinken verursacht ein Mastino seiner Ausmaße eine ÜBERSCHWEMMUNG) und hätte fast meine teure Duschabtrennung eingerannt (welch Glück, dass es Sicherheitsglas gibt). Dann hat er noch fein was gefuttert, sich von mir durchknuddeln lassen und ist dann wieder auf Wanderschaft (Flur, Bad und retour).
Hier noch ein kleines Video, auf dem man deutlich seine Handicaps sieht.
Hut ab, dass es Menschen gibt, die auch „nicht ganz gesunde“ Hunde aufnehmen und ihnen all die Liebe und Fürsorge schenken, die sie bislang so sehr vermisst haben.
An sich brauche ich auf diesem Gebiet keine „Weiterbildung“, da ich seit 1996 immer mindestens zwei Hunde habe (seit 2003 bis auf eine kurze Unterbrechung mindestens drei) und bislang immer sehr gut harmonierende Teams hatte. Trotzdem interessiert es mich, wie einige Hundetrainer & Co. das sehen und als ich Anfang des Jahres bei „Dogs and Fun“ die Ankündigung zu einem Themenabend mit Angelika Lanzerath entdeckte, hatte ich mich prophylaktisch gleich angemeldet.
Angelika Lanzerath dürfte vielen Hund’lern als Betreiberin der Hundefarm Eifel (mit Günther Bloch), als Sachverständige und als Kuvasz-Züchterin bekannt sein.
Von daher war ich gespannt, was sie zu dem Thema zu sagen hatte…und wollte den Vortrag darüberhinaus als Training für Matilda nutzen, die lernen soll, mich immer und überallhin begleiten zu können.
Die Kleine hat sich übrigens super gemacht! Natürlich hat sie alles und jeden überschwänglich begrüßt. Ganz besonders hat sie sich über einen XXL-Rottweiler gefreut, der zwar bei Kontaktaufnahme begeistert quietschte, grundsätzlich aber mit dem quirligen Kleinkind überfordert war, so dass Matilda ihn schließlich nur noch „aus der Ferne“ anwedeln durfte. Das war aber immer noch besser als zu versuchen, mit dem kleinen Giftzwerg Freundschaft zu schließen, dessen Frauchen sich unbedingt mit an unseren Tisch setzen musste…obwohl ihr Rüde Matilda unter dem Tisch ständig fixierte und anknurrte.
Was mich zu der positiven Überraschung des Abends bringt: obwohl immer wieder Videosequenzen gezeigt wurden, in denen Hunde knurrten und bellten, blieb Matilda mucksmäuschenstill! Zuhause hingegen muss sie jede Tierdokumentation und vor allem andere Hunde oder Wölfe auf dem Bildschirm lautstark und erbost kommentieren.
Die Videoanalysen und auch Frau Lanzeraths sehr relaxter Umgang mit miteinander konkurrierenden Hunden, mit Rangfolgewechseln und ihre immer sehr individuelle Betrachtungsweise, aber auch ihre offene und kritische Haltung den Teilnehmern gegenüber, die sich mit konkreten Problemfällen aus ihrem eigenen „Hundeleben“ an sie wandten, hat mir grundsätzlich gut gefallen. Auch wenn ich selber an diesem Abend nichts Neues dazulernen konnte.
Ein fader Beigeschmack ist aber geblieben, da sie sich zu Beginn des Vortrags erst einmal lang und breit über den schlechten Auslandstierschutz ausließ und bei diesem Thema KEINE Differenzierungen vornahm.
Hier im Viertel gibt es seit ein paar Monaten einen neuen Hund: einen wunderschönen großen Mischling, schwarz mit leicht melierter Halspartie… wir waren ihm (bzw. ihr) bislang noch nicht direkt begegnet, doch heute kam mir die Hundehalterin samt Kind und Hund ausgerechnet an einer Straße entlang der Bahngleise entgegen, als ich nachmittags eine kleine Runde mit Vega drehte.
An dieser Stelle ist eine Begegnung im Freilauf eher suboptimal. Und Vega schätzt keine Kontakte an der Leine.
Also warnte ich die Frau vor, wich in eine Einfahrt aus und legte Vega ab… allerdings hatte sie mich offenbar gründlich missverstanden, denn nun steuerte sie mit ihrer Sidney schnurstracks an der lockeren Leine auf Vega zu!
Meine Oma sprang natürlich sofort grollend auf und Sidney machte einen erschrockenen Satz zurück.
Da Vega sich aber sofort beruhigte und ich noch ein paar erklärende Worte hinzufügte, blieb die Frau erfreulicherweise stehen und wir konnten uns nett unterhalten. Schon bald beobachtete meine Große die fremde Hündin aufmerksam und begann, leise vor sich hinzufiepen. NUN war ein Kontakt ok…. und die Frau willigte auch gleich ein und leinte ihre Sidney ab, obwohl das Töchterchen schon noch leicht beeindruckt bis ängstlich dreinblickte.
Aber es bestand wirklich kein Grund zur Sorge: Vega hopste zu der deutlich jüngeren Hündin, beschnufelte sie ganz kurz, wuffte und hüpfte gleich wieder weg. Sidney traute sich nicht, auf diese leichte Spielaufforderung einzugehen… sie zog es vor, vorsichtig hinter Vega herzutapern und an ihr zu schnuppern…. um sich dann in einem respektvollen Abstand hinzusetzen und auf eine Fortsetzung des Spaziergangs zu warten.
Leider konnten wir nicht zusammen weiterlaufen, weil mein Mann ohne Haustierschlüssel mit Matilda unterwegs war und jeden Moment zurück sein konnte. Aber ich bin mir sicher, dass die nächste Begegnung von Anfang an entspannter laufen wird und Sidney dann hoffentlich merkt, dass man mit Vega Pferde stehlen kann.
Seitdem wir die neue Couch haben, legt sich auch Vega wieder öfter zu uns: endlich hat sie genug Platz, um ihre Knochen zu sortieren und sich gemütlich auszustrecken, ohne befürchten zu müssen, dass sie runterpurzelt.
Als ich meinen Mann heute darauf aufmerksam machte, schaute er sie nur liebevoll an und sagte ganz sanft: „Alleine deswegen hat sich die Anschaffung schon gelohnt!“
Dank der unsinnigen Rasselisten und der hohen Steuern in Bonn sieht man bestimmte Hunderassen kaum noch auf den Straßen und in den Auslaufgebieten. *seufz*
Um so mehr hat es uns daher heute gefreut, Richtung Mondorf eine Frau mit einem wunderschönen blauen Pitbull zu sehen, der gerade ausgelassen mit einer Dogge und zwei weiteren kleineren Hunden spielte. Und die Frau wiederum freute sich sehr, an einem Tag zwei so positive Kontakte zu machen, da auch wir begeistert reagierten und diesen tollen und freundlichen Hund mit Lobhudeleien übersäten… auch wenn wir unser Quartett nicht hinlassen konnten.
Zumindest durfte Vega hin, die gleich ihre Torero-Schäker-Öhrchen aufsetzte und mit jugendlichem Hüftschwung um den feschen Rüden rumhüpfte. Und anschließend ließen wir noch das Matildchen hinlaufen, die aber nur einen kurzen, wenn auch temperamentvoll-überdrehten Kontakt machte…. und dann gleich wieder zu ihrer Familie zurückrannte.
Dieses mittlerweile nicht mehr erhältliche Rasseportrait besticht zwar durch eine sehr schöne Aufmachung (großformatig, gebunden, sehr schöne Fotos)… doch bleibt es wie die meisten Rassebücher weitab von einer ehrlichen, gründlichen und umfassenden Darstellung der Rasse, insbesondere was die Anforderungen an die Erziehung angeht und die vielen rassetypischen Erkrankungen.