{"id":2794,"date":"2012-08-29T09:27:13","date_gmt":"2012-08-29T09:27:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.demona.de\/blog\/?p=2794"},"modified":"2012-10-15T10:03:23","modified_gmt":"2012-10-15T10:03:23","slug":"kangal-versus-hollentrio","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.demona.de\/blog\/?p=2794","title":{"rendered":"Kangal versus H\u00f6llentrio"},"content":{"rendered":"<p>&#8230;oder: &#8222;Interessante interkulturelle Erkenntnisse&#8220;<\/p>\n<p>Auf unserer heutigen Runde \u00fcber die Bergheimer Wiesen und Felder sind wir einem t\u00fcrkischen Mann begegnet, der im ersten Augenblick etwas reserviert wirkte&#8230; auf mein freundliches Gr\u00fc\u00dfen hin aber von seinem Fahrrad abstieg und mich v\u00f6llig mit der Frage konsternierte, ob die Hunde (Fingerzeig auf mein Trio) auch k\u00e4mpfen w\u00fcrden. W\u00e4hrend ich noch mit mir rang und mich nicht entscheiden konnte, ob ich pampig, \u00fcbertrieben freundlich oder mit Nicht-Beachtung reagieren sollte, f\u00fcgte der Mann &#8211; nicht ohne Stolz hinzu &#8211; dass sein Kangal die drei fertig machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Innerlich kochend beschloss ich, den Mann in eine Diskussion um Hunderassen, deren Funktionalit\u00e4t &amp; Co. zu verwickeln&#8230; um dem Mann die Sinnlosigkeit solcher Fragen klar zu machen und ihn f\u00fcr die Problematiken heutiger Hundehaltung \u00a0zu sensibilisieren.<\/p>\n<p>Doch&#8230;oh Wunder: im Verlaufe des Gespr\u00e4chs musste auch ich einige meiner vorgefertigten Meinungen \u00fcberdenken und die &#8222;traditionelle&#8220; Sichtweise gewisser Kulturkreise in Bezug auf Hunde, deren Zweck und Wert in einem anderen Licht sehen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich besitzt der Mann in der T\u00fcrke nicht nur mehrere Kangals, sondern auch eine gro\u00dfe Schafherde, die von den Hunden selbstst\u00e4ndig bewacht wird. Und er ist nicht nur stolz auf die imposante Erscheinung und die Wehrhaftigkeit insbesondere seines Lieblingsr\u00fcden, sondern er liebt diesen auch f\u00fcr sein Wesen, seine Souver\u00e4nit\u00e4t und daf\u00fcr, dass er sich immer auf ihn verlassen kann. Der Hund ist f\u00fcr ihn nicht nur &#8222;Arbeitsmittel&#8220;, sondern Teil der Familie&#8230; er bedauert es, ihn nicht bei sich haben zu k\u00f6nnen (erfreulicherweise stimmte er mir sofort zu, dass diese Hunde in unseren Breitenkreisen nicht gut aufgehoben sind),vor allem aber tut es ihm leid, dass seine Frau \u00fcberhaupt nichts mit Hunden anfangen k\u00f6nne und keinerlei Verantwortungsbewusstein f\u00fcr sie empfinde&#8230; so k\u00f6nne er sich nicht einmal darauf verlassen, dass sie einen Hund f\u00fcttere, wenn er mal f\u00fcr ein paar Tage weg sei. Ganz ihm Gegensatz zu seiner alten, gebrechlichen Mutter, die sich selbst unter gro\u00dfen M\u00fchen immer mit den Tieren besch\u00e4ftige und sie versorge. Fazit: mit einem Hund m\u00fcsse die gesamte Familie einverstanden sein und man m\u00fcsse sich gemeinsam um ihn k\u00fcmmern!<\/p>\n<p>Ganz ehrlich: nach dem etwas schr\u00e4gen Einstieg in das Gespr\u00e4ch war ich dann doch \u00fcber die vern\u00fcnftigen Ansichten des Mannes erstaunt, der mittlerweile v\u00f6llig entspannt mein Trio durchknuddelte und vor allem von Simbas Bollersch\u00e4del und seinem Temperament begeistert war.<\/p>\n<p>Nun folgten noch interessante &#8222;Ausfl\u00fcge&#8220; in die heutige Rassehundezucht, die gesundheitlichen Problematiken bei Molossern, deren durchschnittliche Lebenserwartung, die Preise f\u00fcr solche Hunde&#8230;und n\u00e4herten uns \u00a0so wieder dem Gespr\u00e4chsbeginn: die Kangals aus der Heimat dieses Mann m\u00fcssen eine schwere und k\u00f6rperlich sehr anstrengende Arbeit leisten, m\u00fcssen die Schafe tats\u00e4chlich gegen W\u00f6lfe verteidigen und tagt\u00e4glich mit ihnen durch das Land ziehen. K\u00f6rperliche Schw\u00e4chen k\u00f6nnen da fatal sein&#8230; und so wird eine Auslese nach Fitness und Wehrhaftigkeit getroffen, indem man die Hunde gegeneinander k\u00e4mpfen l\u00e4sst. Die &#8222;St\u00e4rksten&#8220; d\u00fcrfen sich verpaaren und steigen in ihrem Wert unglaublich an&#8230; der Kaufpreis f\u00fcr einen kampferprobten Kangal k\u00f6nne durchaus bei 30 &#8211; 40 000 (!) Euro liegen&#8230;<\/p>\n<p>Ich weiss ja nicht, ob letzteres nicht doch etwas \u00fcbertrieben ist&#8230;und ich bin nun sicher nicht diejenige, die Hundek\u00e4mpfe pl\u00f6tzlich f\u00fcr recht und billig h\u00e4lt&#8230; aber ich kann doch ein gewisses Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Einstellung der traditionellen t\u00fcrkischen Schafhirten aufbringen und notgedrungen akzeptieren, dass dies die althergebrachte Methode ist, die Rasse &#8222;weiterzubringen&#8220; und robuste Nachzuchten zu erhalten&#8230;.selbst wenn es heutzutage durchaus m\u00f6glich w\u00e4re (und sein sollte) nicht auf solche brutalen Methoden zur\u00fcckzugreifen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;oder: &#8222;Interessante interkulturelle Erkenntnisse&#8220; Auf unserer heutigen Runde \u00fcber die Bergheimer Wiesen und Felder sind wir einem t\u00fcrkischen Mann begegnet, der im ersten Augenblick etwas reserviert wirkte&#8230; auf mein freundliches Gr\u00fc\u00dfen hin aber von seinem Fahrrad abstieg und mich v\u00f6llig mit der Frage konsternierte, ob die Hunde (Fingerzeig auf mein Trio) auch k\u00e4mpfen w\u00fcrden. 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